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"Windsurfen ist anstrengender, als Formel 1 zu fahren"

09.07.10 -

Die Formel 1 Piloten rasen mit mehr als 300 Kilometern pro Stunde über die Rennstrecken dieser Welt. In den Kurven wirken Fliehkräfte von mehr als fünf g auf die Fahrer, Stress ist ihr ständiger Begleiter. Nach dem Start schnellt ihr Puls von 130 auf 190 Schläge hoch. Vor der Einfahrt in den Tunnel beim GP von Monaco schlägt das Herz sogar bis zu 210 Mal in der Minute. Trotzdem sagt Deutschlands bester Windsurfer Klaas Voget: "Windsurfen ist anstrengender als Formel 1 zu fahren."

Der studierte Sportwissenschaftler hat im Rahnen seiner Magisterarbeit festgestellt, dass der Puls bei Windsurfern im Wettkampf auf bis zu 200 Schläge ansteigt. Voget: "Während bei Formel 1 Piloten, die fest angeschnallt sind, der Nacken am stärksten beansprucht wird, sind bei uns alle Muskeln im Einsatz. Auch weil man ständig das Gleichgewicht halten muss."

Dadurch steigt der Gesamtenergieumsatz und damit auch der Puls. Der Vorteil: Die Belastung wird gleichmäßig verteilt und ist nicht so einseitig wie bei Rennfahrern. Laut Vogets Untersuchung empfanden Windsurfer ihre Wettkämpfe teilweise als nicht besonders anstrengend, obwohl sie einen Durchschnittspuls von 182 hatten und damit Hochleistungsniveau erreichten.

Die Fliehkräfte schätzt der Wellenreiter in beiden Sportarten gleich groß ein. Doch anders als in der Formel 1 sei bei den Windsurfern der ganze Fahrer gefordert. "Ein Doppel-Loop wird bei uns zwar mit dem Kopf ausgelöst, danach rotiert aber der ganze Körper zweimal um die eigene Achse. Da entstehen unglaubliche Fliehkräfte, die durchaus mit denen bei der Formel 1 in den Kurven zu vergleichen sind", glaubt Voget.

Und der 31-Jährige weiß, wovon er spricht, denn im Mai machte er in Valencia eine Probefahrt in einem Formel-Rennwagen. "Durch die ungewohnte Belastung des Nackens war ich nach den ersten Fahrten etwas verspannt. Aber wenn ein Formel 1 Pilot eine fünf Meter Welle hochfährt, dürfte auch er etwas angespannt sein", erzählt die Nummer Vier der Wave-Weltrangliste 2009.

Größte Herausforderung beim Rennsport ist für Voget die dauerhafte Stress-Konzentrationsbelastung. "Der kleinste Fahrfehler wird sofort brutal gestraft. Bei uns kann man zwischendurch mal ein bisschen entspannen. Und wenn etwas schiefläuft, fällt man in der Regel weich ins Wasser", so der Windsurfer, der auch deshalb nie mit Vettel und Co. tauschen würde. "So interessant der Ausflug auf die Rennstrecke war: das Freiheitsgefühl beim Windsurfen ist unerreicht. Das würde ich gegen nichts auf der Welt eintauschen", lautet Vogets Fazit.

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